Wann bekommt Mannheim endlich ein Lapidarium?

Presseecho

Von Heike Warlich-Zink

Erschienen am 04.04.2019 um 00:00 Uhr 

In den städtischen Bauhöfen liegen steinerne Schätze verborgen, die von alter Bau- und Handwerkskunst zeugen. Der Verein Stadtbild will sie endlich ans Tageslicht holen.

MANNHEIM - Wenn Steine erzählen könnten, dann würden sie in Mannheim unter anderem berichten von Zeiten, als es in der Quadratestadt noch einen Scharfrichter gab. Denn ein Engelsportal aus Sandstein zierte seit 1708 den Eingang dessen Domizils in H 5, 9. Das älteste erhaltene Wohnhaus der Innenstadt wurde 1970 abgerissen, das steinerne Portal danach irgendwo unsachgemäß zwischengelagert. Gleiches gilt für die alten Jugendstillampen der Wasserturmanlage. „Sie rosten still vor sich hin“, sagt Helen Heberer, Vorsitzende des Vereins Stadtbild Mannheim. Besser ergeht es ihren Worten nach den Säulen des ehemaligen Wachhäuschens am Mannheimer Schloss. Diese hat der Verein in Schwetzingen ausfindig gemacht, wo sie zwar für die Öffentlichkeit verborgen, aber gut geschützt gelagert würden.

Dies sind nur einige Beispiele von noch vorhandenen Original-Bauteilen und -Zierelementen von Mannheimer Gebäuden, die im Zweiten Weltkrieg oder danach zerstört wurden. Kulturgüter, die laut Heberer Zeugnis alter Handwerks- und Baukunst sind und zugleich Aufschluss über das historisch gewachsene Stadtbild geben.

„Viele Altertümer befinden sich auf städtischen Bauhöfen. Doch auch im Odenwald sind wir fündig geworden und haben ein Sandsteinelement des alten Kaufhauses in N 1 entdeckt“, erzählt Heberer von einer besonderen Schatzsuche, die die Vereinsmitglieder zusammen mit Fotograf Jean-Luc Lasnier im vergangenen Sommer unternommen hatten. Ziel war es, einen Fotokalender 2019 zu erstellen, um der Bevölkerung anhand von zwölf Beispielen zu zeigen, was da alles im Verborgenen schlummert. Darunter die capitolinische Wölfin, die ehemals vor der Kinderklinik stand. Ein Appetithappen gewissermaßen. Denn erklärtes Anliegen des Vereins ist die Errichtung eines Lapidariums, in dem die Mannheimer Originale aus Stein, Holz und Metall dauerhaft untergebracht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können.

Das ist zwar keine neue Idee, aber eine, die – ähnlich wie die Kulturgüter selbst – bislang nicht richtig zur Geltung kommen will. Bereits im Juli 2011 hatte die CDU-Gemeinderatsfraktion zur Unterstützung des Vereins Stadtbild einen Antrag auf Errichtung eines Lapidariums gestellt. Kulturausschuss und auch Gemeinderat befassten sich in den darauffolgenden Jahren wiederholt mit der Thematik. Denn die Fraktionen ließen nicht locker und forderten die Prüfung verschiedener Örtlichkeiten und ein Konzept.

Dass 2019 der entscheidende Durchbruch gelingen könnte und eine Lösung gefunden wird, begründet Heberer mit den guten Voraussetzungen. Schließlich habe der Verein im Zusammenhang mit dem Fotokalender wertvolle Vorarbeit geleistet, um die Altertümer aufzuspüren, sie auf ihre Provenienz zu prüfen und entsprechend zu listen.

Darüber hinaus haben CDU und SPD im Juli 2018 erneut die Verwaltung aufgefordert, die Inventarisierung vorzunehmen, Kosten und Fläche zu ermitteln und einen geeigneten Standort für das Lapidarium auszuweisen. Die Zuständigkeit liegt bei Dezernat IV, Fachbereich 25 Bau- und Immobilienmanagement. „Die Verwaltung ist am Zug“, so Heberer und sagt zugleich die Bereitschaft des Vereins Stadtbild zu, bei der Mannheimer Bürgerschaft für die Notwendigkeit eines Lapidarium zu werben, um mit finanziellen Mitteln zu Konzept und Umsetzung beizutragen.

„Einen kleinen Anfang machen wir ja jetzt schon mit dem Verkauf des Kalenders ‚Mannheimer Originale brauchen ein Zuhause‘, den wir beim Neujahrsempfang der Stadt vorgestellt haben“, erklärt sie. Auch die Übernahme von Patenschaften für ein bestimmtes historisches Bauteil anzubieten, sei denkbar.

Wormser Zeitung

 

Homepage Helen Heberer