Bei der Begehung erblühen Träume von einem Kulturzentrum mit Gastronomie

Presseecho

Abrissbirne befreit Lokschuppen von umgebenden Gebäuden

Noch bevölkern Scharen von Mauereidechsen das Gelände, und die verlassenen Gleise am denkmalgeschützten Lokschuppen zwischen der Südtangente und den Bahnanlagen auf dem Lindenhof. Weil dort aber demnächst eine Abbruchfirma im Auftrag der Stadt einige alte, verlassene Gebäude beseitigen wird, müssen die quirligen Tierchen weichen. Sie werden noch in diesem Monat eingefangen und in den Rheinauer Wald umgesiedelt. Sie sollen ungestört sein, wenn in dem Lokschuppen und dem benachbarten Werkstattgebäude ein Kulturzentrum entsteht.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Den Stand der Planungen für den Erhalt der Gebäude aus dem 19. Jahrhundert erläuterte die Leiterin des Projektes Mannheim 21, Dorothea Nachtwey, einer interessierten Gruppe auf Einladung des SPD-Ortsvereins Lindenhof/Almenhof mit dem Vorsitzenden Stadtrat Professor Dr. Horst Wagenblaß.

"Wir haben hier ein Juwel, das erhalten bleiben muss", betonte Dr. Wagenblaß. Daran besteht kein Zweifel, bestätigte die Projektleiterin. Die Gebäude gehören inzwischen der Stadt. Nutzbar werden sie allerdings erst, wenn die Deutsche Bahn AG, die sie noch nutzt, auszieht. Die Planungen dafür haben inzwischen konkrete Formen angenommen. Die Bahn baut in Ludwigshafen einen Ersatz. Danach wird sie auch die Gleise und sonstige bahntechnische Anlagen entfernen.

So lange wartet die Stadt mit dem "Rückbau" nicht. Im Februar hat sie das Gelände roden lassen. "Und zwar unter Aufsicht eines Naturbeauftragten, der darauf achtete, dass die Eidechsen nicht in ihrem Winterschlaf gestört wurden", erklärte Dorothea Nachtwey.
Abriss bis Ende des Jahres

Ende Juni rückt ein Unternehmen mit der Abrissbirne an. Im ersten Abschnitt ist die ehemalige Kantine im Nordosten an der Reihe. Im August geht es weiter mit dem großen Gebäude hinter der Werkstatt. Zugleich fällt der Teil des Lokschuppens, der nach dem Zweiten Weltkrieg angebaut wurde. Im dritten Abschnitt schließlich nimmt sich die Abrissbirne der verlassenen Wohnhäuser im Südosten des Geländes an. Dort finden augenscheinlich wohnsitzlose Menschen Dach über dem Kopf. Auch die müssen sich eine neue Bleibe suchen. Bis Ende des Jahres wird - so die Pläne - das Gelände bis auf den Lokschuppen und das Werkstattgebäude frei sein. Wann mit dem Bau der Büro- und Wohnhäuser begonnen wird, steht noch nicht fest.

Dagegen haben die Lindenhöfer schon ziemlich klare Vorstellungen, was mit den verbliebenen Gebäuden geschehen soll: Ein Kulturzentrum mit Gastronomie, "etwas Ähnliches wie die Alte Hauptfeuerwache am Alten Meßplatz in der Neckarstadt", meinte Stadtrat Wagenblaß. Die Teilnehmer der Begehung stimmten ihm zu. Bei der Stadt finden sie offene Ohren, bestätigte Projektleiterin Nachtwey.

Freilich muss dafür ein Investor gefunden werden. Sicher ist, dass die Herrichtung der Gebäude für Veranstaltungen wie Konzerte, Theateraufführungen oder Lesungen sowie einen gastronomischen Betrieb erheblichen finanziellen Aufwand erfordert.

Bis es aber so weit ist, müssen die historischen Bauten wirkungsvoll gesichert werden, um Vandalismus vorzubeugen, forderte der Stadtrat. Auch das sagte die Projektleiterin zu. Ein hoher, dauerhafter Bauzaun soll um das Gelände aufgestellt werden.

Mit Blick auf die Realisierung von Mannheim 21 äußerten die Teilnehmer der Begehung die Hoffnung, dass ein künftiges Kulturzentrum den neu bebauten Teil des Lindenhofs belebt. "Es darf nicht geschehen, dass nach Büroschluss hier tote Stille herrscht", betonte Dr. Wagenblaß. Schon deshalb ist es besser, wenn die Mauereidechsen auf der Rheinau ein neues und ruhiges Zuhause finden.

Mannheimer Morgen
06. Mai 2009

 

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