Den Umbau „größer denken“

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Umweltforum Kritik an Plänen zur Haltestellenerweiterung am Hauptbahnhof / Vorgelegte Variante „Schmalspurlösung“

Den Umbau „größer denken“

29. März 2019 Autor: Thorsten Langscheid (lang)

 

Einwände gegen die 20 Millionen Euro teure Haltestellen-Erweiterung (v.l.): Andreas Schöber und Thorsten Schurse.

Mit deutlicher Kritik an den Plänen zur Erweiterung der Stadtbahnhaltestelle Hauptbahnhof und der damit verbundenen Umgestaltung des Willy-Brandt-Platzes meldet sich das Umweltforum zu Wort. Die vorgelegten Pläne seien eine „Schmalspurlösung“ ärgern sich die Vorstandsmitglieder Andreas Schöber (Grüne) und Thorsten Schurse (SPD). Sie weisen auf „erhebliche Orientierungsprobleme“ und „weite Wege“ für die schon jetzt werktags über 50 000 Fahrgäste an Mannheims am stärksten frequentierter Nahverkehrshaltestelle hin.

Pläne nur „drittbeste Möglichkeit“

„Die Erweiterung um ein viertes Gleis ist im Grundsatz richtig“, stellen Schöber und Schurse klar – ihre Kritik richtet sich gegen die Details des Vorhabens, mit dem – wie berichtet – die Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) bereits in zwei Jahren beginnen und zur Bundesgartenschau 2023 fertig sein wollen. Auch dies begrüßen die Verkehrsexperten des Umweltforums, fragen aber: „Warum wurden die Pläne in den vergangenen zehn Jahren nicht gründlicher vorbereitet?“

 

Denn bereits im April 2009 hatte die RNV auf Antrag der Grünen mehrere Varianten für den jetzt anstehenden, etwa 20 Millionen Euro teuren Ausbau präsentiert. „Was jetzt kommen soll, ist aus unserer Sicht nur die drittbeste Möglichkeit“, sagen Schöber und Schurse: „Bei der Planung scheinen nur betrieblich-bauliche Belange im Vordergrund gestanden zu haben, während die Interessen der Fahrgäste weitgehend unberücksichtigt blieben.“

Direkter Zugang zu Gleis 1

So fehlt den Forums-Vorständen in den RNV-Plänen beispielsweise die Erweiterung des westlichen Zugangs von der Straßenbahn zum Gleis 1 des Hauptbahnhofs (bei Bundespolizeiwache), von dem der S-Bahn-Verkehr in Richtung Westen abgewickelt wird. Sie meinen: Alle vier Stadtbahnsteige gehören vor das Empfangsgebäude, so dass die Fahrgäste von dort direkt zu ihren Anschlusszügen können. Auf Nachfrage teilte Rathaus-Sprecherin Corinna Hiss mit, dass bei der Prüfung der Möglichkeiten der Ausbau der Haltestelle an bestehender Stelle „recht schnell“ verworfen wurde: „Für ein weiteres Gleis ist dort kein Platz.“

Bei der jetzt gewählten Variante mit zwei Gleisen (aus Richtung Schloss) vor dem Empfangsgebäude und zwei Gleisen im Kaiserring (aus Richtung Tattersall) seien die Wege zumindest für Umsteiger aus Richtung Schloss zur Bundesbahn am kürzesten. Im umgekehrten Fall würden Umsteiger, die aus dem Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs herauskommen, jeweils auf die Front-Anzeigetafeln der Straßenbahnen blicken – „für die Orientierung insbesondere bei Ortsfremden“, so Hiss, „ist dies ein wichtiger Aspekt.“

Der geplante Ausbau, so Hiss, diene gerade dazu, bei wachsendem Verkehrsaufkommen einen von den Forums-Vorständen befürchteten Stadtbahn-Stau auf dem Kaiserring zu vermeiden. Bislang müssen alle Züge aus Richtung Tattersall an nur einem Bahnsteig halten, künftig stünden dafür zwei zur Verfügung. Hier könnten dann auch insgesamt vier kürzere Bahnen halten. Unverändert bleibe der Abschnitt zwischen Tattersall und Bismarckstraße: Hier ist jetzt und künftig nur Platz für eine 60 Meter lange Tram.

Baulich Fakten geschaffen

Doch nicht nur der mögliche Stau von Stadtbahnen bereitet den Forums-Vorständen Kopfzerbrechen. Sie vermissen in den Haltestellen-Planungen die weiterführenden Überlegungen zum „Boulevard Kaiserring“, die ebenfalls seit vielen Jahren diskutierte Aufwertung des Rings zwischen Hauptbahnhof und Wasserturm. Diese künftige Planung für ein angemessenes und attraktives Entrée in die Stadt werde „erheblich negativ beeinflusst“. Insgesamt sei es aus Forums-Sicht nicht zu akzeptieren, dass die Stadt nur „unverbindliche Zielvisionen formuliert, während von der RNV bauliche Fakten geschaffen werden“. Schöber: „Wir müssen hier ein bisschen größer denken!“

Info: Video und Fotostrecke unter morgenweb.de/mannheim

© Mannheimer Morgen, Freitag, 29.03.2019

 

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