Fakenews und was daraus wird - 30. Jahrestag der Ausschreitungen gegen Geflüchtete auf der Schönau

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Anlässlich des 30 Jahrestages der Ausschreitungen gegen Geflüchtete in Mannheim Schönau hat der SPD-Ortsverein zu einer Diskussionsveranstaltung vor der Kulturbühne Schönau eingeladen. Über ihre Eindrücke zu den damaligen Vorkommnissen erzählten und diskutierten, Dr. Stefan Fulst-Blei MdL und die Schönauer Stadträtin Andrea Safferling mit interessierten Bürger*innen.

Am 28.05.1992 verbreitete sich im Stadtteil das Gerücht, ein afrikanischer Asylbewerber aus der Sammelunterkunft in der Gendarmeriekaserne habe ein 16-jähriges Mädchen vergewaltigt. Tatsächlich war diese von ihrem eigenen Freund, einem US-Amerikaner, vergewaltigt worden, der bei seiner Festnahme falsche Angaben machte und sich als einer der Asylbewerber ausgab. Jugendliche und ältere Personen zogen vor die Unterkunft und wollten den angeblichen Täter stellen, dabei kam es zu rassistischen Ausschreitungen und Stürmungsversuche der Schönauer Gendarmeriekaserne. Die Proteste hielten mehre Tage an, zahlreiche Bürger*innen forderten die Ausweisung der Asylsuchenden, die unter anderem aus dem Kriegsgebiet Jugoslawien, dem Kosovo und Rumänien kamen.

Andrea Safferling, Stadträtin für die Schönau: „Ich erinnere mich noch gut an die Situation damals, es war beängstigend, der ganze Lärm, alles war abgesperrt, wie in einem Kriegsgebiet. Mir taten die Asylsuchenden sehr leid. Sie kamen aus Kriegsgebieten und dachten, sie seien in Sicherheit und nun mussten sie sich vor dem Mob fürchten. Ich denke, viele wären damals nicht auf die Straße gegangen, wenn sie sich mit der Kultur dieser Menschen beschäftigt hätten. Nur von dem Unbekannten hat man Angst.“

Dr. Stefan Fulst-Blei, damals Juso-Vorsitzender, weiß: „Der damalige Oberbürgermeister Gerhard Widder (SPD) war vor Ort, er hat sich vor die Gendarmariekaserne gestellt und versucht die Demonstranten zu beruhigen und es ist wohl ihm und er Polizei zu verdanken, dass nicht mehr als eingeworfenen Scheiben passierte. Gleichwohl löste der spätere Polizeieinsatz auf dem Paradeplatz gegen Gegendemonstranten auch aus dem autonomen Umfeld sowie gegen das JUZ eine große Diskussion aus. So etwas wäre heute nicht mehr vorstellbar.“

Fulst-Blei sieht Parallelen zu heute und was die Gefahren von Fake News für den Frieden und das soziale Miteinander betrifft. Leider funktionieren Wutparolen immer noch, Lügen werden hoch professionell verbreitet. Jeder der sich in den sozialen Medien bewegt, sollte sich auch anderweitige Informationen einholen und den Wahrheitsgehalt prüfen. Im Stadtteil Schönau wurde viel getan, die Wohnungen der GBG und die Schulen wurden saniert, soziale Probleme im Stadtteil sind zu lösen. Fulst-Blei: „Wir sollten die Erinnerung wachhalten und mahnen, dass so etwas in unserer Stadt nie wieder passiert.“

Dazu betont Simon Schwerdtfeger, Ortsvereinsvorsitzender der SPD Mannheim-Schönau, wie wichtig es ist das Bildungssystem für die Herausforderungen der Zukunft zu wappnen: „Das Internet ist voller nützlicher Informationen, aber leider auch voller Fake News. Kinder sollten bereits in der Schule lernen zwischen beiden zu unterscheiden.

 

Homepage Dr. Stefan Fulst-Blei: Für Mannheim im Landtag von Baden-Württemberg