Konversionsgebiet Franklin: Hü oder Hott? Lernt die Verwaltung aus alten Verkehrs-Fehlplanungen?

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Der Mannheimer Morgen berichtete für Franklin von Überlegungen in Richtung 0,5 bis 0,7 Stellplätze pro Wohneinheit. Realistischer Bedarf für ein normales Wohngebiet sind heute jedoch 1,5 bis 1,7 Stellplätze pro Wohneinheit – mit steigender Tendenz. Man könnte zwar theoretisch darunter bleiben, wenn man geeignet plant. Das beweisen aktuelle Neubaugebiete, etwa in Freiburg. Aber ist die Stadt Mannheim auch bereit, die nötigen Voraussetzungen dafür zu schaffen?

Die sind hart: es brauchte in Freiburg ganz klare Ansagen an alle Bau- und Kaufinteressenten – es wird kein Parken im Straßenraum geduldet! - Zieht hier nur hin, wenn Ihr einen eigenen Stellplatz habt oder kein Auto! – Wir schaffen nachträglich keine Parkplätze und schicken regelmäßig den Vollzugsdienst! Dazu kamen privatvertragliche Regelungen in den Kaufverträgen und anderweitige rechtliche Verpflichtungen, nur vorgegebene Maximalzahlen an Fahrzeugen zu haben, bis hin zu entsprechenden Grundbucheinträgen. Natürlich gab es auch von Anfang an eng getakteten Nahverkehr und ein gutes Carsharing-Angebot.
Wenn man so an die Sache herangeht, sind 0,7 Stellplätze pro Wohneinheit ausreichend. Die Erfahrungen mit dem sogenannten „ökologischen“ Neubaugebiet Wallstadt-Nord machen allerdings wenig Hoffnung. Hier wurde vor Jahrzehnten für besonders wenig PkW-Verkehr geplant. Lt. Stadt ist dort „der Parkraum absichtlich eng bemessen, um zum Umstieg auf den ÖPNV zu bewegen.“ Man ging davon aus, dass in ein ökologisches Gebiet Menschen ziehen, die besonders wenig Auto fahren. Heute hat das Gebiet den höchsten PkW-Bestand in ganz Mannheim. Dafür ist es aber überhaupt nicht ausgelegt. So gibt es breite und schnurgerade verkehrsberuhigte Berieche, die leider einladen, ausgerechnet dort schnell zu fahren. Die Tempo 30-Zonen andererseits sind besonders eng – dort weichen sich entgegenkommende Fahrzeuge dann mit unverminderter Geschwindigkeit auf den Gehweg aus, da die Bordsteine überall nur 3 cm hoch und abgerundet sind. Wildes Parken führt zu diversen unübersichtlichen Stellen und blockiert Fußwege. - Gefährdungen überall, gerade gab es deshalb vier Bürgerworkshops zum Verkehr. Ein nett geplantes Gebiet erstickt in Autos und selbst Laufen ist kaum noch möglich - ganz zu schweigen von Rollatoren, Rollstühlen oder Kindern unter 10 Jahren, die ja eigentlich beim Fahrradfahren auf dem Gehweg bleiben müssten.
Für Franklin muss also eine klare Entscheidung fallen, bevor das neue Quartier geplant und bebaut wird: wollen wir ein Gebiet mit wenig Stellplätzen und sind bereit, dies mit allen Konsequenzen durchzusetzen? Ansonsten planen wir lieber klassisch mit eher 2 als 1,5 Stellplätzen pro Wohneinheit. Ohne klare Entscheidung gibt es Stress für Eigentümer, Mieter und Stadt. Die völlig konträren Ansichten unter den Gemeinderäten sollten nicht zu einem Kuhhandel führen, bei dem durch weniger Stellplätze zwar die Grundstücke günstiger werden, jedoch die Planung nicht mit aller Konsequenz darauf eingerichtet wird. Wir brauchen kein Verkehrschaos wie in Wallstadt-Nord in einem noch viel größerem Rahmen! (Franklin wird so groß wie ein ganzer Stadtteil.)
Also: Hü oder Hott für Franklin? Viele Stellplätze oder das Durchsetzen von Restriktionen beim Autofahren? Ohne Entscheidung dazu wird’s furchtbar.