Stoch: „Kultusministerin hat schlichtweg keinen Plan, wie sie das baden-württembergische Schulsystem fit machen soll"

Landtagsfraktion

Doro Moritz (GEW): „Weder herkunftssprachlicher Unterricht in staatlicher Verantwortung noch ausreichende Sprachfördermaßnahmen – das ist das Konzept der Kultusministerin zur Qualitätssteigerung und besseren Integration“

 

Die SPD-Landtagsfraktion und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) äußern ihr Unverständnis über die erneute Ankündigung des Kultusministeriums, keine Änderungen beim herkunftssprachlichen Unterricht vornehmen zu wollen. Dazu Andreas Stoch, der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion: „Kultusministerin Eisenmann hat schlichtweg keinen Plan, wie sie das baden-württembergische Schulsystem für seine Realität in einem Einwanderungsland fit machen soll. Ihre Untätigkeit und fehlende Konzepte werden den Schulen auf die Füße fallen. Herkunftssprachlicher Unterricht wäre ein wichtiger Baustein, den Kultusministerin Eisenmann nicht mal zu prüfen bereit ist – obwohl Ministerpräsident Kretschmann dies den Bürgerinnen und Bürgern zugesichert hatte.

Offenbar können weder die Modelle zum herkunftssprachlichen Unterricht aus anderen Bundesländern, noch neue wissenschaftliche Studien bei Ministerin Eisenmann ernsthaftes Interesse wecken. Wenn sie den herkunftssprachlichen Unterricht nicht als prioritär einstuft, könnte man meinen, es gebe andere vorrangige Projekte. Dem ist aber nicht so, denn im Bereich Sprachförderung verweist sie in der Antwort auf unseren Antrag (Drucksache 16 / 4380) an „neuen“ Aktivitäten lediglich auf wenige Einzelmaßnahmen: Ein Förderprojekt an nur etwas mehr als 30 Schulen („Lesen macht stark“), die Abschaffung des Fremdsprachenunterrichts an den Grundschulen und die zusätzlichen Investitionen für Sprachförderung im frühkindlichen Bereich, die allerdings weniger als fünf Prozent des Pakts mit den Kommunen und damit den kleinsten Posten der sogenannten Qualitätsoffensive darstellen. Im Übrigen besteht kein Widerspruch zwischen dem von uns geforderten Schulversuch zum herkunftssprachlichen Unterricht und mehr Sprachförderung in deutscher Sprache. Beides kann und sollte in Rahmen eines Gesamtkonzepts zur besseren Integration Umsetzung finden. Dass sich die Grünen nun hinter unseren Vorschlag zur Einrichtung eines Schulversuchs stellen, begrüßen wir natürlich. Rückgrat muss die stärkere der beiden Regierungsfraktionen aber nicht nur in ihren Pressestatements beweisen, sondern auch im Parlament. Ich bin gespannt, ob die Grünen dem Beschlussteil unseres Antrags zum Schulversuch dann wirklich zustimmen. Bisher sind sie bei Bildungsthemen vor ihrem kleinen Koalitionspartner immer eingeknickt, wie die Abstimmungen zur Grundschule ohne Noten oder den Voraussetzungen zur Einrichtung einer Oberstufe an Gemeinschaftsschulen zeigen.“. Die Landesvorsitzende der GEW Doro Moritz ergänzt: „Weder herkunftssprachlicher Unterricht in staatlicher Verantwortung noch ausreichende Sprachfördermaßnahmen – das ist das Konzept der Kultusministerin zur Qualitätssteigerung und besseren Integration. Bei Kultusministerin Eisenmann und der Landesregierung hat Integration keinen hohen Stellenwert. Herkunftssprachlicher Unterricht steht nicht auf der Liste vorgesehener Maßnahmen. Der Sprachförderunterricht reicht hinten und vorne nicht. Der Fremdsprachenunterricht in den Klassen 1 und 2 wird gestrichen, die vier gestrichenen Stunden sind die ersten Förderstunden, die die Grundschulen bekommen. In keiner anderen Schulart würde Pflichtunterricht gestrichen, um Förderstunden für Deutsch und Mathematik zu gewinnen. Auf den Anfang kommt es an! Es macht mich fassungslos, dass Baden-Württemberg als Land mit 44,3 Prozent Kindern mit Zuwanderungshintergrund in den 4. Klassen nicht das Mittel der Sprachförderung in der Herkunftssprache und in deutscher Sprache konsequent nutzt. Das Programm „Lesen macht stark“ startet im Schuljahr 2018/19 an 32 weiterführenden Schulen in den fünften Klassen. Das kann doch nicht die Antwort eines Landes sein, das mit seiner Bildung wieder an die Spitze will. Die Maßnahmen des Kultusministeriums reichen zwar für eine Pressemitteilung, die Grundlage für erfolgreiche Integration bieten sie nicht.“

 

Homepage Dr. Stefan Fulst-Blei: Für Mannheim im Landtag von Baden-Württemberg

 

Counter

Besucher:1194078
Heute:62
Online:2
 

12.12.2018 19:10 Ausbildungsbilanz 2018: Eine starke Ausbildung für alle
Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat heute seine Ausbildungsbilanz für 2018 vorgestellt. Die Bilanz wirft Licht und Schatten. Sie macht deutlich, dass die Novelle des Berufsbildungsgesetzes (BBIG) überfällig ist. Die bisher bekannten Vorschläge der Bundesbildungsministerin greifen noch in jeder Hinsicht viel zu kurz. Wir wollen mit der Modernisierung das weltweit anerkannte, kooperative Zusammenspiel von Sozialpartnern, Staat

11.12.2018 20:45 10 Jahre Lebensmittel ohne Gentechnik sind ein großer Erfolg
Eine im Auftrag der SPD-Bundestagsfraktion erstellte Analyse zeigt, dass ‚Ohne Gentechnik‘ ein sehr erfolgreiches Marktsegment ist. Seit zehn Jahren gelten für das Label klare und strenge gesetzliche Vorgaben. Angebot und Nachfrage nach Milch, Eiern, Käse und Fleisch von Tieren, die ohne Gentechnik gefüttert wurden, wachsen weiter. „Das freiwillige Label ‚Ohne Gentechnik‘ sorgt für mehr Transparenz für

11.12.2018 20:41 Gute-Kita-Gesetz: mehr Qualität, weniger Gebühren
Der Bundestag beschließt diese Woche das Gute-Kita-Gesetz. Katja Mast sagt: Der Bund investiert 5,5 Millarden Euro für gute Kitas – und damit für gute Kinderbetreuung. „Das Gute-Kita-Gesetz kommt! Damit lösen wir unser Versprechen ein: mehr Qualität, weniger Gebühren.  Für die SPD-Bundestagfraktion ist klar: Jedes Kind muss die gleichen Chancen auf gute Kinderbetreuung haben. Dafür investiert der Bund

11.12.2018 20:37 Patienten brauchen eine sichere Versorgung mit Arzneimitteln
Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagfraktion, Sabine Dittmar, äußert sich zu den Vorschlägen zur Weiterentwicklung der Apotheken, die Gesundheitsminister Spahn heute vorgestellt hat. „Seit dem EuGH-Urteil haben wir mit der Diskussion über das RX-Versandhandelsverbot zwei Jahre verloren. Die Vorschläge, die Gesundheitsminister Spahn jetzt vorgelegt hat, sind uns teilweise gut bekannt. Wir selbst haben sie in ähnlicher Form schon vor Monaten in

09.12.2018 19:38 Europa ist die Antwort
Die kommenden Jahre werden entscheidend dafür sein, ob wir die großen Aufgaben der Zeit gemeinsam anpacken – und bewältigen. Ob wir der europäischen Idee neuen Schub geben. Oder ob der Weg zurück führt in nationalstaatliches Klein-Klein – und wir die Weltpolitik der anderen nur an der Seitenlinie kommentieren und erdulden. Um nichts weniger geht es

07.12.2018 21:15 Einrichtung einer Europäischen Arbeitsbehörde
Mit der Einigung der europäischen Arbeitsminister auf eine Europäische Arbeitsbehörde ist ein Schritt hin zu einem sozialeren Europa getan. Die Europäische Kommission hatte diesen Vorschlag unterbreitet, nun muss noch das Europäische Parlament zustimmen. „Vor einem Jahr haben die Staats- und Regierungschefs der EU beschlossen, mehr zu tun für soziale Rechte, wie den Zugang zu Sozialschutz,

Ein Service von websozis.info