Vorerst keine Wohnungen auf Kerweplatz

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Wallstadt Stadt stoppt Pläne für Fläche an der Amorbacher Straße wegen Suche nach einem Standort für das Kultur- und Sportzentrum / Bezirksbeirat lehnt die Idee ab

Vorerst keine Wohnungen auf Kerweplatz

05. April 2019 Autor: Peter W. Ragge (pwr)

Derzeit Parkplatz, doch eigentlich sollte schon die Wohnbebauung begonnen haben: die Fläche an der Ecke Amorbacher Straße/Mosbacher Straße in Wallstadt, auch alter Kerweplatz genannt.

© Rittelmann

Die Stadt hat die geplante Wohnbebauung auf dem alten Wallstadter Kerweplatz in der Amorbacher Straße vorläufig gestoppt. Das bestätigte ein Sprecher des Baudezernats auf Anfrage des „MM“. „Hintergrund sind die Überlegungen zum Neubau eines Vereinszentrums“, erklärte er. Man habe die Bebauung „zurückgestellt, um das Areal in die Standortprüfung einbeziehen zu können“. Das stößt aber auf heftigen Widerstand im Bezirksbeirat, der am Mittwoch, 10. April, bei seiner öffentlichen Sitzung im Evangelischen Gemeindehaus darüber reden will.

Hohe Zahl an Interessenten“

Auf dem 5412 Quadratmeter großen Areal parken momentan Autos und besonders viele Wohnmobile. Der Platz hat davon seinen Namen, dass hier bis in die 1980er Jahre Schausteller Fahrgeschäfte aufbauten. Der Spielplatz, teils zugewuchert, steht meist leer. Das Pumpwerkhäuschen, 2007/08 als Jugendtreff im Gespräch, ist längst abgerissen. Lange war dessen Fläche eingezäunt.

Vor ein paar Tagen rückten Bauarbeiter an – Nachbarn dachten schon, die lange geplante Bebauung ginge los. Aber man habe nur „im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht Bodenvertiefungen aufgefüllt und den Platz planiert“, so ein Sprecher der Stadt. Dadurch habe der Bauzaun entfernt werden können.

2015 fiel nämlich die Entscheidung, dass hier Wohnbebauung entstehen soll. Geplant sind sieben Wohneinheiten mit drei Einzelhäusern zur Grünfläche an der Buchener Straße hin und in der Mitte vier Doppelhaushälften. 2015 hieß es vom Vertreter der Stadt im Bezirksbeirat, man rechne mit eineinhalb bis zwei Jahren bis zum Baubeginn.

Dann begann das übliche Verfahren. Der Entwurf des Bebauungsplans wurde vom Gemeinderat im Mai 2017 gebilligt. Es folgte die Beteiligung von Öffentlichkeit und Behörden. Der Satzungsbeschluss, womit der Plan rechtskräftig wird, „war Ende 2017/Anfang 2018 vorgesehen“, so der Sprecher: „Dann wäre Anfang 2019 ein Beginn der Erschließungsarbeiten möglich gewesen“.

Plötzlich habe sich aber herausgestellt, dass es Probleme bei der Versickerung von Regen geben könnte. „Hierzu mussten geeignete Flächen lokalisiert sowie fachgutachterlichen Untersuchungen durchgeführt werden“, so der Sprecher. Das dauerte bis Sommer 2018. Im Herbst 2018 sollte zwar der Plan endgültig genehmigt werden, doch habe man das „zurückgestellt“.

Nach Angaben des Sprechers „ist eine hohe Anzahl an Interessenten für Bauplätze im Stadtteil Wallstadt vorgemerkt“. Verkaufen werde die Stadt die Grundstücke aber erst, „wenn der Bebauungsplan beschlossen wurde und die Erschließung durchgeführt ist“, sagte er. Das könne man erst angehen, „wenn die Standortsuche für das Vereinszentrum abgeschlossen ist“. Derzeit erstelle die Verwaltung ein Anforderungsprofil für den Neubau. Ob die Amorbacher Straße als Standort in Frage kommt, „lässt sich erst beurteilen, wenn ein grobes Raumkonzept vorliegt“, so der Sprecher: „Seine integrierte Lage macht ihn jedoch interessant, da im Stadtteil nicht viele solcher Standorte verfügbar sind.“

Absolut ungeeignet“

„Der Bezirksbeirat in Wallstadt wurde weder eingebunden noch informiert“, kritisiert CDU-Sprecher Martin Dubbert. Der Standort sei „für ein Kultur- und Sportzentrum absolut ungeeignet“, verweist Dubbert auf drohenden nächtlichen Lärm für Anwohner und fehlende Parkplätze. „Eine weitere Verkehrszunahme kann den Anliegern nicht zugemutet werden“, so Dubbert.

CDU-Stadtrat Bernd Kupfer hat auch reagiert, gleich eine Anfrage an die Verwaltung für die Gemeinderatssitzung eingebracht. „Hier wird ohne Not ein für die wohnungswirtschaftliche Entwicklung in Mannheim wichtige und geeignete Fläche in Frage gestellt“, kritisiert er. Schließlich habe der Gemeinderat für dieses Areal einstimmig Wohnungsbau beschlossen. Für ihn ist „nicht mehr nachvollziehbar, warum das Verfahren so lange verzögert wird“, so Kupfer.

Das sehen auch die Wallstadter SPD-Bezirksbeiräte so. Der Standort sei „für Feuerwehrhaus wie für Kultur- und Sportzentrum ungeeignet“, so ihr Sprecher Thorsten Schurse: „Eine weitere Prüfung erübrigt sich und würde womöglich die Abläufe verzögern, geeignete Orte für die beiden dringend benötigten Bauten zu finden“, so Schurse. Vielmehr unterstütze die SPD nach wie vor die Wohnbebauung. „Für eine Veranstaltungshalle fehlen Parkmöglichkeiten und sowohl Mosbacher- als auch Römerstraße sind bereits heute stark befahrene Durchgangsstraßen“, so Schurse: „Eine weitere Verkehrszunahme kann den Anliegern nicht zugemutet werden“.

Darin sind sich SPD und CDU mit Manuela Müller, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Wallstadter Vereine (IWV), einig: „Der Platz passt gar nicht, da ist das nicht realisierbar“, erinnert sie an die Diskussion um den Jugendtreff. Die Fläche sei viel zu klein, es fehlten Parkplatze. Fortschritte beim Ziel, ein Kultur- und Sportzentrum zu erreichen, sieht sie derzeit nicht: „Wir haben gerade Stillstand!“, beklagt Müller.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 05.04.2019


 

 

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